Surreal

Warum so? Warum wurde diese Bild wieder entsprechend nachbearbeitet?

Warum blieb es nicht bei der Finsternis, die wirklich herrschte?

Die Szene war surreal. Man sah den Sternenhimmel, wesentlich heller, klarer als die direkte Umgebung, die in undurchdringlicher Dunkelheit versunken war.

Diese Umgebung ist bekannt von häufigen Ausflügen hierher. Man kannte den Kiesstrand, wusste um die vielen Menschen, die sich tagsüber hier tummelten und das Gehirn kombinierte diese beiden Bilder.

Das des Augenblicks und das der Erinnerung.

Und das machte das Ganze so unwirklich, surreal…

Noch eigenartiger wäre es nur gewesen, wenn wie auf einem Bild von Mikko Lagerstedt plötzlich ein Pferd erschienen wäre.

Aber so blinkten nur die Lampen der aufgeschreckten Angler am Ufer. Was will dieser merkwürdige Kerl hier?

Es geht also auch hier um ein spezielles Gefühl, welches sich nicht mit einem authentischen unbearbeiteten Foto vermitteln lässt.

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Abends am See (2)

Fledermäuse flattern umher, es werden immer mehr. Der Radelnde Uhu wird das Gefühl nicht los, als wäre er ein wesentlicher Bestandteil ihres Hindernisparcours, die Tiere sausen schwarz und gespenstisch heran und kurz vor seinem Kopf weichen sie aus.
Entfernt ist Feuerschein zu sehen, der sich im Wasser spiegelt – den Abend zelebrieren mit einem Feuer am dunklen See. Dort werden die Weinflaschen kreisen, vielleicht…
Und hier, wo der Radelnde Uhu steht, ist es mittlerweile ganz finster geworden. Die Milchstraße ist mit bloßem Auge zu erkennen.
Was wäre wenn…
Zugegeben, unbearbeitet würden die Aufnahmen nichts von der jetzigen Stimmung wiedergeben, schwarzer Wald, schwarzer See, schwarzer Himmel mit Sternenpünktchen. Nichtssagend…
Aber so – schon wird es etwas deutlicher, wie surreal diese bei Tageslicht so wohlbekannte Landschaft ist, ein stilles, menschenleeres Seeufer, schweigend, gläsern eingefrorener Wald und über allem ein endloser Sternenhimmel.
Traumzeit, Raumzeit, Traumlandschaft, „Quiet Earth“ und „Contact“… Begriffe, Eindrücke, die in der Außenwelt nach heutiger Ansicht nichts miteinander zu tun haben, vermischen sich, bilden ein Neues, Fremdes, Merkwürdiges…
Alles ist anders, nichts ist normal und nichts mehr wie es eben war…
Eigenartig.

Abends am See (1)

Die Landschaft um diese Tageszeit zu fotografieren kann zur Sucht werden, das lässt einfach nicht los.
Zudem muss man ja auch dem (radelnden) Uhu als nachtaktivem Tier manchmal gerecht werden.
Die Lichter und Farben nach einem grandiosen Sonnenuntergang Anfang Oktober sind allein schon ein unvergessliches Erlebnis. Dazu schläft nun der leichte Wind vollkommen ein, der Wasserspiegel wird ganz still, klar, nur die Fische stupsen ab und zu an die Oberfläche und erzeugen kreisrunde Wellen.
Dort, wo das Wasser schon in der Finsternis versunken ist, ist unerwartet eine goldene Lichtspur zu entdecken. Ein paar Wasservögel streben ihrem Nachtquartier zu.
Am Südhimmel erscheint als erster und seit Monaten immer noch hellster Lichtpunkt der Mars. Mit zunehmender Dunkelheit ist auch bald der Saturn zu finden.
Der Übergang zwischen Tag und Nacht, noch glühen im Westen die letzten Sonnenlichter, da ist der Himmel im Osten schon in ein dunkles Blau übergegangen und immer mehr Sterne blitzen auf. Die Menschen, die vor wenigen Minuten noch lärmend am See unterwegs waren, sind verschwunden, Stille kehrt ein.
Man kann sie hören, die Stille – wenn man ganz ruhig ist.

Elberadweg – Sturmfahrt nach Dresden (3)

Abschnitt Bad Schandau / Krippen – Dresden

Den Regentag inkl. der am Abend sehr bedrohlich über uns hinwegrasenden Sturmfront haben wir mit einer kleinen Wanderung um Bad Schandau und das Schrammsteingebiet gut verbracht.

Der heutige Tag verspricht besseres, trockeneres Wetter, allerdings auch stürmischen Wind von Nordwest.

Als wir wieder auf den Rädern sitzen und an der Elbe weiter durch das Gebirge rollen, ist davon zum Glück noch nicht allzuviel davon zu spüren. So lässt sich der Ausblick auf Lilienstein, Königstein und die Basteifelsen noch wunderbar genießen. Zwischen Bad Schandau und Königstein wurde vor Kurzem die letzte Lücke des Radweges geschlossen, nun kann man auch durchgehend linkselbisch radeln, ohne die Fähre in Königstein benutzen zu müssen. Ob der Weg allerdings das nächste Hochwasser übersteht?

Rathen, Wehlen, dann weitet sich das Tal allmählich, der Wind drückt nun immer stärker genau von vorn, so dass wir nach 25 Kilometern im schön restaurierten Altstädtchen von Pirna in einem Bäcker erst einmal Mittagspause machen. Lecker Kaffee und belegte Brötchen, dazu ein ausgiebiger Plausch mit dem Chef vom „Geheimrad“, einem leidenschaftlichen ehemaligen und immer noch aktiven Rennradsportler, dessen großer Wunsch es ist, Trondheim-Oslo noch einmal zu fahren. Drücken wir ihm die Daumen. Unsererseits hat sich das Thema Langstreckenradeln wohl doch eher erledigt. Aber was solls, so ist nun ausreichend Zeit und Muße solch fantastischen Flussradwege zu erleben.

Von Pirna bis Dresden bleibt an diesem Tag nur der Kampf teilweise im Schritttempo gegen den sehr heftige Wind – oder besser Sturm in Erinnerung. Aber der Anblick vom malerischen Schloss Pillnitz, den lieblichen Elbauen und grünen Anhöhen um Dresden – Laubegast, der idyllischen Villen-Vororte und schließlich der traumhaften, aus dieser Richtung etwas ungewohnten Silhouette des barocken Dresdens entschädigen in jedem Fall.

Terrassenufer, Menschen- und Autogetümmel, die Dampfer der „Weißen Flotte“, Lärm, Chaos, die Zivilisation hat uns wieder.

Schön war es und ein wenig wehmütig denkt man jetzt schon zurück an die stillen Kilometer besonders im böhmischen Elbtal.

(bei wenig Wind sind die knapp 50 Kilometer ein noch größerer landschaftlicher und kultureller Hochgenuss)

Nachtausflug in Krippen

 

Elberadweg – Besuch bei unseren Nachbarn (2)

Abschnitt Litomerice – Bad Schandau / Krippen

Dieses Mal, Ende September, ist die Route flussabwärts geplant.

Wieder einmal zieht es uns ins Böhmische, in unser schönes Nachbarland. Problemlos und entspannt erreicht man mit dem Regionalzug Dresden, steigt dort in den (nur saisonweise und wohl auch nur am Wochenende fahrenden) Zug nach Litomerice (Leitmeritz) ein, der uns ohne zusätzlichen Umstieg in knapp zwei Stunden bis nach Nordböhmen bringt.

Leitmeritz und seine sehenswerte Altstadt am Fuße des Radobyl, eines markanten ehemaligen Vulkankegels, das ist seit Rennrad-Zeiten immer wieder eine Art Traumziel. Wie gern kommt man dort an und streift über den Markt und die Gassen hinunter zur Elbe.

Radobyl, Vulkankegel – da war doch etwas. Ja, genau, Litomerice liegt am südlichen Ausläufer des Böhmischen Mittelgebirges.

Wir verlassen die Stadt, fahren flussabwärts und nach wenigen Kilometern lässt sich inmitten balkanartiger Vegetation mit weiten Maisfeldern und Weinbergen ein schönes Panorama des Böhmischen Mittelgebirges von der Hazmburk bis zum Lovos jenseits des Flusses und des dahinter hervorlugenden Milleschauer bewundern. Auch der Kletecna, der zweite Berg auf C.D. Friedrichs Gemälde ist von hier aus gut zu erkennen.

Dann durchbricht die Elbe in der „Böhmischen Pforte“ das Gebirge. Sehr eindrucksvoll (und ab und zu mit der Loreley verglichen) ist hier der Felsriegel zwischen Lovos und dem Kalvarienberg auf unserer Flussseite zu erkennen, durch den sich die Elbe (bzw. tschechisch Labe) ihren Weg erzwungen hat.

Kurvenreich radelt man nun durch das enge Gebirgstal, in dem sich der Fluss still und glatt (auf Grund einer großen Staustufe) ausbreitet bis Usti nad Labem (Aussig) und wird von der dunkel auf einem Felssporn drohenden Burg Schreckenstein (Strekov) empfangen. (siehe auch Ludwig Richter „Überfahrt am Schreckenstein“)

Die Brücke, auf der 1945 Schlimmes geschah (siehe wikipedia) existiert ebenfalls noch. Keine Wirkung ohne Ursache… Hoffen wir, dass die Menschen doch mit der Zeit dazu gelernt haben.

Übrigens, die Strecke ist auch hier von früheren Rennradtouren durch Nordböhmen her bekannt, lässt sich feststellen, wie viel man im bequemen Flussradler-Tempo so sehen kann. Man kann es sich leisten, den Blick von der Straße auf die Umgebung zu lenken und entdeckt dadurch viele Dinge, die damals einfach übersehen wurden.

Kurz vor Decin weitet sich das Tal, hinter kleineren Bergkuppen erhebt sich der Decinsky Sneznik, der höchste Berg der Sächsischen Schweiz und canyonartig sieht das grüne enge Elbtal hinter der Stadt aus.

Eine Rast in einem Café bei Palatschinken und Aussicht auf die Elbe ist nun gerade Recht. Auf der einen Seite das mächtige Schloss von Decin, auf der anderen Flussseite hoch oben dem kleinen Pseudo-Schlösschen auf dem Schäferberg. Dahinter der sich allmählich grau bedeckende Himmel und eine fahle Sonne. Fast unheimlich wirkt das.

Nach ausgiebiger Pause rollen wir nun entspannt weiter flussabwärts in die Böhmisch-Sächsische Schweiz hinein. Am Ostufer die mächtigen Sandsteinfelsen des Rosenkammes, irgendwann vor uns der Große Winterberg aus ungewohnter Perspektive.

Als der Grenzort Hrensko auf der ostelbischen Seite sichtbar wird, ist unser nur ein paar Stunden langer Böhmen-Ausflug schon vorbei. Ein Foto am Grenzschild, dann sind es bis Krippen, wo wir für zwei Nächte ein Quartier gefunden haben, nur noch wenige Kilometer.

(die knapp 75 Kilometer lassen sich, weil es fast keine Anstiege gibt, sehr geruhsam und abwechslungsreich genießen)

weitere Fotos zum Böhmischen Mittelgebirge sind auf dieser Seite zu finden

 

 

Elberadweg – mal wieder (1)

In diesem Jahr war der Elberadweg auch einmal wieder unser Ziel.

Abschnitt (Oschatz – ) Riesa – Dresden (ca. 80 km)

Die erste Etappe Ende Mai, sollte uns von Riesa nach Dresden führen.

Konkrete Wegbeschreibungen und Beschreibungen der dort vorzufindenden baulichen und Naturschönheiten findet man auf zahllosen Webseiten, deswegen soll darauf an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden.

Warum aber fuhren wir gegen den Strom elbaufwärts? Normalerweise ist es ja üblich, einen Flußradweg flussabwärts zu befahren, gerade weil es so reizvoll ist, einen Fluss oder Strom beim Anwachsen und immer Größer- und Mächtiger-Werden zu begleiten, bis er schließlich ins Meer mündet. Für diesen Abschnitt jedoch ist es auch umgekehrt empfehlenswert, weil sich die Höhepunkte entlang des Wegs sozusagen steigern und übertreffen, bis man dann die klassische Kulisse Dresdens vor sich sieht.

Nach Oschatz fahren wir mit dem Regionalzug, das erspart die Kosten für die Fahrradkarten, die 10 Kilometer bis Riesa schaffen wir auch entspannt per Rad. In Riesa „fädeln“ wir uns schließlich auf dem Elbradweg ein. Durch mohnbestandene Blumenwiesen geht es an diesem immer heißer werdenden Maitag bis zur unheimlichen Skyline des Chemiewerkes bei Nünchritz. Danach aber wird es richtig schön. Die recht eintönige Ebene verengt sich allmählich zum Flusstal. Bald ist Diesbar mit seinen Weinbergen und seinem Schlösschen erreicht – der erste Höhepunkt des heutigen Tages.

Immer schön entlang des Flusses, mal auf asphaltierten, mal auf grob gepflasterten Wegstücken rollen oder schieben wir nun bis Meißen, deren mächtige Albrechtsburg und der Dom schon von weitem herüber grüßen. Kleine Mittagsrast in einem der zahlreichen am Weg liegenden Biergärten, dann geht es weiter nach Südwesten. Durchs winzige Spaargebirge bei Meißen fahren wir an der Elbe entlang hindurch, Coswig und Radebeul streift man nur, ehe man am Nachmittag Dresden erreicht. Es geht durch endlose Vororte, bis man plötzlich und ganz unvermutet vor dem Sächsischen Landtagsgebäude steht und einen schönen Fast-Canaletto-Blick auf Dresdens Altstadt genießen kann.

Schade, das war es für heute schon, fast 80 Kilometer, aber die wurden bei der abwechslungsreichen Route gar nicht mal so richtig lang.