Die Zeit zwischen Nacht und Tag

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Sternenfahrt (1)

Es war wieder schön. Das muss man einfach mal so feststellen.
Der Kohlenbergteich bei Brandis am Fuße der gleichnamigen Erhebung ist ein menschengemachtes Gewässer, welches vielen Wasservögeln ein gutes Revier abgibt. Bei der letzten Tour hatte ich schon festgestellt, dass das Wasser zum großen Teil abgelassen war, so dass die verbleibenden Pfützen im Sternenschein ein lohnenswertes Motiv versprachen.
In diesem Sinne ging es spontan, als die Abendsonne nach einem wieder recht trüben Tag noch einmal die Landschaft in ein wunderbares Licht tauchte, erneut auf Tour.
Heute ist es rechtzeitig, noch zu Beginn der Dämmerung,  möglich, auf der Suche nach einem guten Platz, um diesen eigenartigen Wechsel von Wasser und Schlamm möglichst eindrucksvoll abzulichten, den Teich zu umrunden. Das Schilf ist leider viel zu hoch und der einzige Zugang zum Wasser ist auf der Ostseite, so dass bei Sternenaufnahmen das Licht der Großstadt sehr störend wäre.
Doch die untergehende Sonne sorgt trotzdem für magische Farben und mystische Stimmungen.
Der niedrige Wasserspiegel gestattet es dann, direkt am Sperrwerk das Stativ aufzustellen, Blickrichtung Ost.
Murrend verziehen sich die Möwen und Enten etwas weiter weg, als der Störenfried mit seiner Technik zu hantieren beginnt.
… Fortsetzung folgt

Sternstunde im Westbruch

Die spontanen Aktionen sind meist die Besten – und bleiben demzufolge auch lange im Gedächtnis haften.
Nach einem eher trüben grauen Novembertag zeichnet es sich am Nachmittag schon ab. Das könnte ein kalte, weil voraussichtlich wolkenlose, Nacht werden.
Drinnen ist es zwar schön warm und gemütlich, aber die letzten Lichter des Tages da draußen werden immer intensiver, kräftiger, goldener…
Sollte man nicht doch? Kalt ist es, und da nochmal aufs Rad? Ein paar Kilometer in der unbehaglichen Dämmerung zum Ziel radeln?
Man sollte…
Es ist fast dunkel, als ich das Ziel am Kohlenberg erreiche. Den Kohlenbergteich habe ich schon im Frühjahr wegen seiner zahlreichen Wasservögel häufig besucht. Jetzt hat man das Wasser abgelassen, die Lichtreflexe im Schlamm und im verbliebenen Wasser sehen interessant aus. Aber das Schilf ist übermannshoch und ohne schlammige nasse Füße kommt man nicht so recht ran.
Ehe also die Zeit mit Suchen im Dunklen vergeudet wird, da muss nochmal am Tag eine passende Stelle gesucht werden, beschließe ich, meinen zweiten Plan umzusetzen und den Westbruch am Kohlenberg aufzusuchen und mit Sternenhimmel abzulichten.
Der waldreiche Kohlenberg mit 179 Metern Höhe im Osten von Leipzig ist für unsere Verhältnisse schon eine recht mächtige Erscheinung. Oben hat man eine schöne Sicht auf Leipzigs Skyline, das ist jedoch heute nicht die Absicht, denn es gibt noch zwei ehemalige Steinbrüche hier.
Im trockenen Ostbruch befindet sich der Klettergarten des DAV, im Westbruch, der voll Wasser ist, befindet sich ein Tauchrevier.
Nach einem sehr dunklen Hohlweg ist der Bruch schnell erreicht, die Finsternis weicht einem milchigen Grau, in dem die gegenüberliegenden Felswände verschwimmen, das wirkt äußerst mystisch und märchenhaft und wird vermutlich durch die Kälte verursacht. Oder machen meine Augen nicht mehr richtig mit? Das wäre auch nicht auszuschließen.
Zunächst wieder ein paar Testaufnahmen. Vorsicht, dabei nicht ins Wasser fallen… Die ISS zieht ihre Bahn, im Osten verglüht eine von Nord nach Süd fliegende kleine Feuerkugel am Himmel und überall Sterne, Sterne, Sterne… Wasser, Felsen und Baumkulissen, darüber der unendliche Nachthimmel.
Es lohnt sich wieder einmal. Gut dass ich hier stehe, hocke und (nur ein ganz klein wenig – ehrlich) friere, zu Hause sitzen kann man später noch genug.
Einfach nur schauen und staunen – wieder einmal. Und gelegentlich ein Foto machen.
Auf dem Rückweg wird dann doch noch einmal am Kohlenbergteich gehalten. Hinter den Bäumen am anderen Ufer brennt man gerade ein großes Feuer ab. Das sieht natürlich äußerst eindrucksvoll über dem Wasser aus. Schnell alles aufgebaut, Kamera befestigt, Fernauslöser und…
Da hat sich beim EInpacken vorhin etwas verstellt – Videomodus – das kann doch nicht sein – selbst mit Stirnlampe ist die Suche erfolglos. Fazit: man sollte sich, wenn man mit der Kamera nicht restlos vertraut ist, darauf einstellen, dass gerade bei Nachtfotografie mancher Weg umsonst sein könnte – grrrrmbl. (Dass das nur ein kleiner Hebel ist, wird eine halbe Stunde später bei Licht festgestellt – aber – ein Grund mehr, sich noch einmal auf Tour zu begeben)

PS: in der Fotonachbearbeitung zeigt es sich – es ist (obwohl subjektiv anders empfunden) einfach zu hell bei uns. 15 km Abstand zur Großstadt sind nicht genug, um, wie auf dem Darß, die Milchstraße fast plastisch erscheinen zu lassen – es gibt zuviel störendes Licht.
Fazit: Für die Milchstraßenfotografie eignen sich tatsächlich nur die ganz dunklen Ecken auf unserem Planeten. Belassen wir es also beim stillen märchenhaften Steinbruch und dem Sternenhimmel darüber.
Lasst es einfach auf Euch wirken 🙂

(hier findet Ihr weitere Bilder zum Sternenhimmel)

Darß – Farben und Licht am Meer

 

 

Zu diesen Bildern muss ich doch noch ein wenig Text mitgeben…
Meine malerischen Fähigkeiten beschränken sich leider eher auf Strichmännchen oder das Malern von tapezierten Wänden. Sehr schade – das bedauere ich schon seit Jahrzehnten – denn so blieb es mir immer unmöglich, bestimmte Dinge, Stimmungen, Gefühle, die man verbal nur schwer beschreiben kann, abzubilden.

Und nun zeige ich diese etwas diffus wirkenden Bilder hier…
Manch Eine(r) wird sich fragen, was denn daran schon besonders sei.

Ich will versuchen, das zu erklären.

Es ist ein Versuch, etwas nicht nur abzubilden und zu dokumentieren, sondern Stimmungen mit Hilfe der Fotografie zu malen, wobei es hierbei nicht um Gefallen oder Nicht-Gefallen geht.
Der oder die Eine wird es vielleicht ebenfalls mögen, Andere wiederum nicht. Das ist nun mal so.

Technisch ist es keine Herausforderung, diese Fotografien zu machen. Stativ, Kamera, Graufilter, das Ganze halbwegs gerade auf den Horizont ausgerichtet und los. Technische Vollkommenheit ist (zunächst) auch nicht das Ziel.
Und trotzdem liefert die Kamera diese Ergebnisse – die überraschenderweise genau so sind, wie sie beabsichtigt waren.

Durch die Langzeitbelichtung, so erscheint es, werden in einem gewissen Maße Formen, Linien, Strukturen und auch der Zeitbezug aufgehoben, die gewohnte wahrgenommene Realität verschwimmt, alles reduziert sich auf Farben und Licht.

Das ist Absicht – das Auge benötigt nicht unbedingt, abgesehen von gelegentlichen Wolken oder einer Buhne, die ins Bild ragt, einen Fixpunkt oder Linien, die es führen. Der Blick erweitert sich, um bereitwilliger die Gesamtwirkung des Bildes aufnehmen.

Im besten Fall kann der Betrachter nun die zum Moment der Aufnahme herrschende Stimmung nachvollziehen und ein bestimmtes Gefühl empfinden.
Das Aufgehen in der endlosen Weite von Meer und Himmel – das Spüren der Stille, des Rauschens von Wind, Wellen, Wärme, Kälte und damit verbunden vielleicht auch eines Gefühls von Ruhe…

Das kann man fühlen, wenn man zu früher Stunde, wenn alles noch schläft, ganz allein an einem Strand steht.