Grimma bei Nacht (2)

 

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Sternenfahrt (2)

Und dann weicht der Tag langsam der Nacht, die lockeren Wolken und die durchscheinenden Sterne über dem stillen Wasserspiegel beginnen zu zaubern…
Irgendwann ist jedoch der schönste Augenblick zu Ende.
Auf zur Rückfahrt – Rückfahrt?
Einer zügigen Heimfahrt stellen sich plötzlich noch gewichtige Nachthimmelargumente entgegen. Das kann man nicht unbeachtet lassen, also anhalten, Stativ wieder raus, aufbauen, Kamera, Fernauslöser suchen…
Ab und zu werde ich ins grelle Scheinwerferlicht der Autos getaucht, die werden sich wundern, was der merkwürdige Mensch hier auf der finsteren Wiese so treibt. Radelnder Uhu eben…
Nun aber – na noch nicht ganz.
Es gibt am Albrechtshainer See noch eine Lokäischen, die man bei diesem Himmel eigentlich noch aufsuchen müsste. Im Dezember des vergangenen Jahres habe ich mir hier schon einmal die Füße abgefroren… Heute jedoch steht das Ganze unter Wasser, der Seespiegel ist gestiegen. Nichtsdestotrotz sind von etwas weiter oben ein paar Aufnahmen möglich.
Aber jetzt – Heimfahrt.
Leider sind auf gerader Strecke jetzt auch einige Idioten unterwegs, die die Fähigkeiten ihres Autos bis zum Anschlag ausreizen und mit Vollgas durch die Dunkelheit rasen. Na, zum Glück nix passiert.
Ob die wissen, was sie verpassen? Vermutlich nicht und vermutlich ist es denen auch völlig egal.
Was mir aber gerade nicht egal ist, sind die Nebelschwaden, die sich infolge der stark abgekühlten Luft über dem Boden bilden. Geisterhaft im Scheinwerferlicht, das könnte doch…
Glatt ein Fotomotiv werden.
Also ist die Tour noch nicht erledigt, der Radelnde Uhu muss noch einmal auf die Wiesen an unserem Flüsschen. Und wie erhofft, haben sich auch hier bodennahe Nebel gebildet, über denen sich der endlose Sternenhimmel wölbt.
Was für eine Sternenfahrt war das heute – die Hoffnung ist groß, dass der kommende Winter noch etliche solcher Möglichkeiten bietet.
In diesem Sinne braucht man sich vor der dunklen Jahreszeit eigentlich nicht zu fürchten.

 

Sternenfahrt (1)

Es war wieder schön. Das muss man einfach mal so feststellen.
Der Kohlenbergteich bei Brandis am Fuße der gleichnamigen Erhebung ist ein menschengemachtes Gewässer, welches vielen Wasservögeln ein gutes Revier abgibt. Bei der letzten Tour hatte ich schon festgestellt, dass das Wasser zum großen Teil abgelassen war, so dass die verbleibenden Pfützen im Sternenschein ein lohnenswertes Motiv versprachen.
In diesem Sinne ging es spontan, als die Abendsonne nach einem wieder recht trüben Tag noch einmal die Landschaft in ein wunderbares Licht tauchte, erneut auf Tour.
Heute ist es rechtzeitig, noch zu Beginn der Dämmerung,  möglich, auf der Suche nach einem guten Platz, um diesen eigenartigen Wechsel von Wasser und Schlamm möglichst eindrucksvoll abzulichten, den Teich zu umrunden. Das Schilf ist leider viel zu hoch und der einzige Zugang zum Wasser ist auf der Ostseite, so dass bei Sternenaufnahmen das Licht der Großstadt sehr störend wäre.
Doch die untergehende Sonne sorgt trotzdem für magische Farben und mystische Stimmungen.
Der niedrige Wasserspiegel gestattet es dann, direkt am Sperrwerk das Stativ aufzustellen, Blickrichtung Ost.
Murrend verziehen sich die Möwen und Enten etwas weiter weg, als der Störenfried mit seiner Technik zu hantieren beginnt.
… Fortsetzung folgt

Sternstunde im Westbruch

Die spontanen Aktionen sind meist die Besten – und bleiben demzufolge auch lange im Gedächtnis haften.
Nach einem eher trüben grauen Novembertag zeichnet es sich am Nachmittag schon ab. Das könnte ein kalte, weil voraussichtlich wolkenlose, Nacht werden.
Drinnen ist es zwar schön warm und gemütlich, aber die letzten Lichter des Tages da draußen werden immer intensiver, kräftiger, goldener…
Sollte man nicht doch? Kalt ist es, und da nochmal aufs Rad? Ein paar Kilometer in der unbehaglichen Dämmerung zum Ziel radeln?
Man sollte…
Es ist fast dunkel, als ich das Ziel am Kohlenberg erreiche. Den Kohlenbergteich habe ich schon im Frühjahr wegen seiner zahlreichen Wasservögel häufig besucht. Jetzt hat man das Wasser abgelassen, die Lichtreflexe im Schlamm und im verbliebenen Wasser sehen interessant aus. Aber das Schilf ist übermannshoch und ohne schlammige nasse Füße kommt man nicht so recht ran.
Ehe also die Zeit mit Suchen im Dunklen vergeudet wird, da muss nochmal am Tag eine passende Stelle gesucht werden, beschließe ich, meinen zweiten Plan umzusetzen und den Westbruch am Kohlenberg aufzusuchen und mit Sternenhimmel abzulichten.
Der waldreiche Kohlenberg mit 179 Metern Höhe im Osten von Leipzig ist für unsere Verhältnisse schon eine recht mächtige Erscheinung. Oben hat man eine schöne Sicht auf Leipzigs Skyline, das ist jedoch heute nicht die Absicht, denn es gibt noch zwei ehemalige Steinbrüche hier.
Im trockenen Ostbruch befindet sich der Klettergarten des DAV, im Westbruch, der voll Wasser ist, befindet sich ein Tauchrevier.
Nach einem sehr dunklen Hohlweg ist der Bruch schnell erreicht, die Finsternis weicht einem milchigen Grau, in dem die gegenüberliegenden Felswände verschwimmen, das wirkt äußerst mystisch und märchenhaft und wird vermutlich durch die Kälte verursacht. Oder machen meine Augen nicht mehr richtig mit? Das wäre auch nicht auszuschließen.
Zunächst wieder ein paar Testaufnahmen. Vorsicht, dabei nicht ins Wasser fallen… Die ISS zieht ihre Bahn, im Osten verglüht eine von Nord nach Süd fliegende kleine Feuerkugel am Himmel und überall Sterne, Sterne, Sterne… Wasser, Felsen und Baumkulissen, darüber der unendliche Nachthimmel.
Es lohnt sich wieder einmal. Gut dass ich hier stehe, hocke und (nur ein ganz klein wenig – ehrlich) friere, zu Hause sitzen kann man später noch genug.
Einfach nur schauen und staunen – wieder einmal. Und gelegentlich ein Foto machen.
Auf dem Rückweg wird dann doch noch einmal am Kohlenbergteich gehalten. Hinter den Bäumen am anderen Ufer brennt man gerade ein großes Feuer ab. Das sieht natürlich äußerst eindrucksvoll über dem Wasser aus. Schnell alles aufgebaut, Kamera befestigt, Fernauslöser und…
Da hat sich beim EInpacken vorhin etwas verstellt – Videomodus – das kann doch nicht sein – selbst mit Stirnlampe ist die Suche erfolglos. Fazit: man sollte sich, wenn man mit der Kamera nicht restlos vertraut ist, darauf einstellen, dass gerade bei Nachtfotografie mancher Weg umsonst sein könnte – grrrrmbl. (Dass das nur ein kleiner Hebel ist, wird eine halbe Stunde später bei Licht festgestellt – aber – ein Grund mehr, sich noch einmal auf Tour zu begeben)

PS: in der Fotonachbearbeitung zeigt es sich – es ist (obwohl subjektiv anders empfunden) einfach zu hell bei uns. 15 km Abstand zur Großstadt sind nicht genug, um, wie auf dem Darß, die Milchstraße fast plastisch erscheinen zu lassen – es gibt zuviel störendes Licht.
Fazit: Für die Milchstraßenfotografie eignen sich tatsächlich nur die ganz dunklen Ecken auf unserem Planeten. Belassen wir es also beim stillen märchenhaften Steinbruch und dem Sternenhimmel darüber.
Lasst es einfach auf Euch wirken 🙂

(hier findet Ihr weitere Bilder zum Sternenhimmel)

Von Bäumen und Sternen

Hier drinnen ist es schön warm, aber draußen verziehen sich die Wolken dieses regnerischen Tages und geben zunehmend einen schönen schwarzen sternglänzenden Himmel frei.

Das lockt, auch wenn es wieder einmal Überwindung kostet, jetzt noch einmal ins kalte Dunkel da draußen hinaus zu gehen.

Die andere Alternative wäre der übliche (krampfig auf unüblich getrimmte) Sonntagabend-„Tatort“. Muss man eigentlich nicht haben.

Ok – Entscheidung ist gefallen, Kamera, das lichtstarke Irix-15-mm ist dran, Stativ, Fernauslöser, Ersatzakku, mehr braucht man jetzt nicht.

Stirnlampe – ja, die zur Sicherheit noch, es ist ja jetzt stockfinster.

Die letzten Siedlungshäuser liegen hinter mir, die Kleingartenanlage liegt in tiefster Finsternis, nur ein Kleintransporter der mit voll aufgeblendeten Scheinwerfern davor steht, irritiert mich. Gehört der Mann hier dazu oder räumt der die Lauben aus?

Im Westen schimmert es noch etwas heller von der untergegangenen Sonne, schöne farbige Wolken stehen dort über Leipzig, von Osten her wird es nun Nacht.

Über mir Kassiopeia, die Andromeda wird nachher hoffentlich auf den Bildern wieder deutlich zu erkennen sein, im Norden der Große Wagen… Einfach schön.

Dann überfliegt uns die ISS, unverkennbar zieht sie schnurgerade ihre leuchtende Bahn gen Südosten.

An den alten Bäumen, meinen „Models“ ist es noch finsterer, so dass nur der akute Wassereinbruch in den Schuhen (war das nicht Goretex innen? Na – jetzt ist es zu spät) daraus schließen lässt, dass ich gerade in irgendeiner Pfütze auf der Wiese stehe.

Aber bei dieser Stimmung und Atmosphäre unter diesem gewaltigen Sternenhimmel spielt das jetzt gar keine Rolle.

Wie gemalt strecken die knorrigen Baumruinen ihre dürren Äste in den Himmel, wo sanft die Milchstrasse schimmert. Leichte Wolken aus West verleihen dem Ganzen noch mehr Räumlichkeit und Tiefe. Und ab und zu ist einfach nur Dastehen, Schauen und Staunen angebracht.

Wie klein ist der Mensch angesichts dieser Größe und Weite.

 

Die Temperatur ist mittlerweile auf 5°C gefallen, die nassen Füße werden kalt. Einige Aufnahmen sind nun auch im Kasten, bin gespannt darauf.

Auf dem Rückweg ist sogar noch eine kleine Sternschnuppe zu sehen, was wünscht man sich jetzt auf die Schnelle? Vielleicht, dass sich solche Momente rasch wiederholen mögen?

Und dann wird es doch noch ein wenig unheimlich, denn von Nordwest nach Südost zieht plötzlich eine kleine leuchtende Kugel mit Feuerschweif, ähnlich einer Silvesterrakete über den Himmel und verglüht. (ganz so groß wie hier war sie nicht, aber sah ähnlich aus)

Nicht vorzustellen, was geschieht, wenn dieser Eindringling in die Erdatmosphäre etwas größer gewesen wäre – da kommt sofort Tscheljabinsk 2013 oder Tunguska 1908 in Erinnerung.

Darß – Sterne am Weststrand

 

 

Spätestens seit dem Film „Contact“ war es schon immer ein Traum, einmal am Darßer Weststrand den Sternenhimmel zu betrachten (und wenn es geht, diesen sogar zu fotografieren).

Als nach einem äußerst ausgefüllten Tag mit abendlichem Kranicherlebnis die letzten Wolken vom Himmel verschwinden und die ersten Sterne aufglimmen, gibt es kein Halten mehr.
Wann, wenn nicht jetzt?
Drin im Warmen sitzen, Essen gehen oder fernsehen kann man später auch noch…
Die Temperatur ist seit vorhin spürbar gefallen, das erfordert ausreichend warme Kleidung, die Beleuchtung am Rad ist perfekt – ohne fahrbaren Untersatz schafft man die 5 km bis zum Weststrand nicht ohne Weiteres und mit dem Auto ist es zum Glück verboten – die Stirnlampe zur Ergänzung darf ich auch nicht vergessen…
Der Wechsel von der beleuchteten Straße zum Wald hin ist extrem.
Mit einem Schlag ist es völlig finster, man sieht die Hand vor Augen nicht mehr.
Also wird die Stirnlampe zur Ergänzung noch angeknipst.
Von früher her ist das ja nun kein unbekanntes Gefühl, auf etlichen Nacht-Rad-Fahrten hat man das Ganze schon erlebt und erprobt, hat manches Mal irgendwo auch im Biwaksack in der Pampa genächtigt. Doch da befand man sich mit dem Rennrad auf Straßen und war ab und zu in Begleitung unterwegs. Und ich bilde mir ein, noch nie durch eine solch undurchdringliche Finsternis gerollt zu sein.
Bis auf das Rascheln unter den Reifen ist es absolut still, auch die Bäume tauchen nur geisterhaft bleich im Kegel der Lampen kurz auf und verschwinden hinter mir wieder im Unsichtbaren.
Kein besonders gutes Gefühl ist das, auch wenn ich mir immer wieder einrede, dass der größte Feind des Menschen der Mensch selbst ist, hoffe ich doch sehr, dass mir kein aufgestörtes Wildschwein und kein Hirsch in die Quere kommt.
Und Pennywise, von dem mir unsere Jüngste erzählte, wird sich heute ja wohl kaum in den Darßwald verirrt haben. Nur – sicher bin ich mir da nicht – was nunmehr wieder dazu beiträgt, dass sich einige Härchen aufstellen und ich noch etwas schneller dahin rolle…
Die Stämme der Buchen wirken immer grotesker und gespenstischer – doch das verrät schließlich die Nähe des Weststrandes.
Endlich – noch das Rad anschließen, dann schnell zum Strand hinunter.
Ein Blick nach oben…
Wolken sind aufgezogen – aber noch geht das.
Auch hier ist es, bis auf den Lichtstrahl des Leuchtturms am Darßer Ort, die blinkenden Lichter an den Bojen und Schiffen, die nordwärts fahren und Rostocks Lichtschimmer am südlichen Horizont stockfinster.
Stativ und Kamera sind rasch aufgebaut.
Der Standort wurde schon tagsüber ausgemacht, es kann los gehen, mal sehen, was Kamera und Objektiv so drauf haben.
Als bei Blende 2.4 und 6400 ISO (die immer noch ziemlich rauschfrei sind) selbst auf dem Display die Milchstraße deutlich zu erkennen ist, ist der Radelnde Uhu einfach nur noch begeistert.
Erstaunlich, wie zügig sich auch die Augen an das Dunkel gewöhnen, ohne Stirnlampe lässt es sich an der Technik hantieren.

Und immer wieder muss man sich aufrichten und einfach nur schauen und staunen. Der nächste Mensch ist 5 Kilometer entfernt. Hier ist man wirklich ganz allein in dieser endlosen Weite unter diesem Sternenhimmel.