Tafelberg-Hopping im März

Sonne ist noch einmal angesagt – Frost auch, die angesagte Warmfront braucht noch einen Tag länger…
Was liegt da also näher, als flugs noch einmal mit dem Sachsen-Ticket einen Ausflug in die Sächsische Schweiz zu machen.
Die infolge der tagelangen strengen Kälte auf der Elbe treibenden Eisschollen sind ein erstes Fotomotiv, nachdem wir in Königstein ausgestiegen sind.

Danach geht es steil auf Treppen vom Ortszentrum aus bergauf. Auch diesen Weg sind wir noch nie gegangen, wir wollen zum Kurort Gohrisch, hoffen in einer der dortigen Gaststätten auf ein gutes Mittagessen und haben geplant, anschließend über den Gohrisch-Gipfel und den Pfaffenstein in weitem Bogen zurück nach Königstein laufen.
Die ausgeschilderte Schöne Aussicht oberhalb von Königstein verpassen wir erst, folgen dann dem nächsten Schild, was nun aber zu einem Umweg von fast 2 Kilometern führt, nur um danach festzustellen, dass diese Aussicht auf Festung und Ort Königstein vor 200 Jahren wohl ein klassischer Blickpunkt war, mittlerweile aber nun leider zuwächst, so dass da nicht mehr sehr viel zu erkennen ist. Schade…

Durch den Wald, auch hier liegen noch frisch von „Friederike“ umgewehte Bäume im Dickicht, erreichen wir sanft aufwärts gehend bald den Kurort Gohrisch. Beste Zeit für ein gutes Essen, lt. Internet und Wanderkarte soll es hier mehrere Gaststätten geben. Nun ja, die Erste hat wegen Umbau bis Ende März geschlossen, die Zweite öffnet erst 16 Uhr, die Dritte hat Betriebsruhe, die Vierte ebenfalls, die verweist zumindest auf ein Restaurant, was in der Richtung liegt, aus der wir kommen, dorthin wollen wir aber nicht zurück und die Fünfte? Die gibt es wohl seit den 90ern des letzten Jahrhunderts gar nicht mehr.
Hmmmm, das ist hier wohl eher keine Empfehlung wert. Der Ort mit seinen alten Villen ist nett. Aber Hunger darf man hier in der Vorsaison nicht haben. Unsere letzte Hoffnung ist nun die Bergbaude auf dem Papststein. Die sollte (lt. Internet) heute ebenfalls noch geschlossen haben, aber ein Schildchen deutet darauf hin, dass das wohl auch anders als angenommen sein könnte.
Die Sonne scheint, etwas Proviant haben wir zur Not auch im Rucksack, so dass wir also beschließen, dort oben unser Glück zu versuchen.

An der recht stark befahrenen kurvenreichen und unübersichtlichen Straße entlang ist das Gehen sehr unangenehm, umso besser, als der Weg endlich durch den Wald führt. Schnell ist der Parkplatz zwischen Gohrisch und Papststein erreicht, eine Menge Autos stehen dort, hoffentlich sitzen die Leute jetzt nicht alle oben in der Bergbaude.
Der Aufstieg über Treppen mit Blick auf die Hunskirche, ein ausgeprägtes, einzeln stehendes Felsmassiv, und weiter oben über Leitern auf den Papststein ist sehr einfach und in wenigen Minuten erledigt. Ein Blick von draußen durchs Fenster – ah ja,  da ist noch viel Platz drinnen, so das wir es uns leisten können, zuerst die (etwas dunstige) sonnige Aussicht nach Süden zu genießen. Einfach schön ist das hier oben.
In der Baude am alten Kachelofen ist es danach richtig urig, der Gastwirt ist sehr nett und entspannt, er hat heute den ersten Tag nach der Winterpause wieder geöffnet. Und das Essen schmeckt auch. Eine tolle Entschädigung für das Erlebnis vorhin unten im Ort – eigentlich können wir da nur dankbar sein. Dazu gibt es im Anschluss noch die schönste Aussicht nach Norden, ehe wir nun wieder absteigen und jenseits des Parkplatzes den Gohrisch als zweiten „Stein“ heute „mitnehmen“.

Der Weg auf den Gohrisch-Gipfel wird durch Treppen und Steighilfen auch für Normalwanderer angenehm entschärft. 1988 und 2000 waren wir schon einmal hier oben, da allerdings beide Male bei Schnee und Eis, was dazu führte, dass wir teilweise auf allen Vieren oder auf dem Hosenboden hinauf bzw. hinab kriechen mussten. Aber heute ist es nicht glatt oder zugeschneit, so dass wir problemlos zuerst die Ostaussicht mit der kleinen Schutzhütte und danach die Wetterfahne an der Westkante des Tafelberges erreichen.
Der über allem liegende Dunst und die Wolkenfront im Süden sorgen für schönste Pastellfarben, der Blick ist einfach grandios.

Zum Pfaffenstein hinüber ist der Weg durch den Wald nach diesen schönen Eindrücken dann recht lang und eintönig. Erst kurz vorher taucht dieser „Stein“ wie ein Tafelberg im venezolanischen Dschungel schroff vor uns auf.
Im Wald liegen riesige bemooste Sandsteinblöcke, die schon vor vielen Jahren aus dem Massiv heraus brachen und bis hier herunter gerollt waren.
Der Normalweg ist tatsächlich ein äußerst bequemer Weg, auf dem man sich quasi durch den Hinterhof ganz entspannt zum Gipfel hinauf schleichen kann.
Eindrucksvoll stehen senkrechte Felswände im späten Sonnenlicht warm angeschienen vor uns, aber unser Weg ist extrem einfach. Nur etwas weiter oben hat ein Bachlauf die Stufen überspült und man muss sich an dem dicken Eis entlang vorbei schlängeln. Zur Barbarine hinter lauern noch einige Metall-Leitern und -Treppen und ein Felsdurchgang, der von Mal zu Mal enger zu werden scheint. Woran das nun wieder liegen mag?! Ist man ohne stecken zu bleiben dort durch gekommen, kann man den Preis, einen wunderbaren Blick auf die Barbarine, eine Felsnadel, deren Felskopf wegen Absturzgefahr in den 70ern des letzten Jahrhunderts mit Beton stabilisiert werden musste und deren Besteigung seit 1975 auch verboten ist, genießen.
Vom benachbarten Plateau hoch oben schweift der Blick weit von den Zschirnsteinen über endlose Wälder, Höhenzüge und Täler nach Süden und Westen.
An der Bergbaude vorbei laufen wir nun nach Norden, und steigen durchs Nadelöhr ab. Auch das scheint von Mal zu Mal enger zu werden. Na ja, Glück gehabt, wir passen noch durch – gerade so 🙂
Oberhalb von Pfaffendorf verläuft ein schöner Höhenweg mit Blick auf Königstein und Lilienstein, die Abendsonne lässt sich nicht lumpen und zaubert noch ein paar milde Farben, ehe es schließlich wieder ganz hinab in den Ort Königstein und zum Bahnhof geht.

Im Elbtal ist es schon schattig, dämmrig und recht frostig.
Wenige Minuten später fährt die S-Bahn nach Dresden.
Schön war es wieder.

Die Route findet Ihr hier

 

 

Panoramatour in der Sächsischen Schweiz

„Friederike“ hat ihre Spuren hinterlassen. Und es wird Wochen und Monate schlimmstenfalls dauern, ehe die Menschen die Schäden und Gefahren in den Wäldern beseitigt haben werden. Auch um die Sächsische Schweiz machte der Sturm keinen Bogen und somit sind die Wälder für Wanderer zum großen Teil aus Sicherheitsgründen noch gesperrt.
Aus diesem Grund haben wir für diesen Tag also eine Route gewählt, die kaum Wald berührt.
Nach Bad Schandau bringt uns die Bahnhofsfähre hinüber, sie hat bei dem recht hohen Wasserstand und der starken Strömung der Elbe ganz schön zu kämpfen. Aber so ersparen wir uns fast drei Kilometer Umweg über die Brücke.
Bad Schandau ist rasch durchquert, dann geht es steil aufwärts über Treppen und Leitern zum Schloßberg hinauf. Nach Minuten schon kann man den Blick über die Dächer der Stadt und das Elbetal zum Lilienstein hinüber genießen.
Bis Altendorf schlängelt sich nun der Panoramaweg allmählich aufwärts. Am Schillerdenkmal lässt sich ein interessanter Blick über das Kirnitzschtal hinüber zu den Schrammsteinen genießen, von den weiten Wiesen etwas weiter oben öffnet sich (trotz grauer Wolken) ein umfassendes und schönes Panorama, welches von der Basteiregion über die Bärensteine, den Lilienstein, die Tafelberge Pfaffenstein, Gohrisch und Papststein, den Hohen Schneeberg in Böhmen drüben, die Zschirnsteine und dann die Schrammsteine reicht.
Weit und breit ist lange keine Menschenseele zu sehen, dieser Weg ist trotz seiner Aussicht doch etwas abgelegen.
Einkehr ist dann in Altendorf zu einem guten Essen im „Heiteren Blick“. Lutz Protze, der leider viel zu früh verstorbene sächsische Achttausender-Bergsteiger hat es sich, so sieht man es auf dem Foto an der Wand, nicht nehmen lassen, den hauseigenen Kräuterschnaps bis an den Wetern Cwm-Gletscher oberhalb des Everest-Base-Camps zu schleppen.
Der Adamsberg (302 m) am Ortsrand ist heute unser Tages-Gipfel. Kein Höhensturm weht hier, dafür gibt es aber hereinziehende Schneeschauerwolken, die drüben am Unger ihre Last abladen.
Der Holzfäller, den wir hier treffen, gibt Entwarnung, der Weg hinunter ins Sebnitztal wurde vom Sturm verschont, keine Gefahr, den können wir gehen.
Am Bahnhof Goßdorf-Kohlmühle, die langsam verrottende Fabrik wäre ein gutes Ziel für Lost-Places-Fotograf(inn)en, erreichen wir den Talgrund, danach laufen wir am rauschenden Flüsschen talabwärts bis Porschdorf, ehe es dort wieder etwas steiler aufwärts in Richtung Walthersdorf geht. Drüben auf der Höhe grüßen die Häuser am Brand – auch hier ist das Panorama über die halbe Sächsische Schweiz einfach nur schön.
Der Pfad durch ein kleines Bachtal bietet noch einmal eine Art kleines schlammiges Abenteuer, ehe Walthersdorf erreicht wird. Von dort ist der Weg am Gamrig vorbei nicht mehr weit. Nimmt man den Wanderweg statt der Straße, kann man auch von den Wiesen oberhalb von Rathen noch einmal im letzten Tageslicht das eindrucksvolle Panorama des Felsenkessels um Bastei, Wehlgrund und Gansfelsen erleben.
Dann ist man auch schon am Ziel.

Die Lichter von Rathen leuchten schon und ein wenig ist es nach solch einer Tour wie Nach-Hause-Kommen.

Schön war es…

Und hier findet Ihr die Route