Riesengebirge – Begegnung mit dem Kriegsrecht

Die Tour auf dem alten Buchar-Weg von Spindlermühle zum Ziegenrücken hinauf war schön. Mit neunzehn ist man zudem noch topfit und somit sehr schnell unterwegs. Die Gegend ringsum – eher nebensächlich. Nun ja…
Die Anderen, mit denen ich mich an der Wiesenbaude treffen wollte, sind allerdings noch nicht da. Zudem lockt der Gipfel der Schneekoppe über den sumpfigen Wiesen der Aupa-Quellen.
Gedacht, getan…
Schnell auf dem Knüppeldamm übers Moor hinüber zur tschechisch-polnischen Grenze. Sind ja nur ein paar hundert Meter durch Polen, dann über den steinigen Pfad hinauf zum Gipfel. Vom Schlesierhaus sieht man nur die Fundamente, das wurde im letzten Jahr abgerissen. Ein Grenzschild, eine Menge Leute, ich laufe einfach weiter. Polen ist ja Bruderland – also…
Der Pfiff lässt sich allerdings nicht überhören ?
Ein Soldat mit Maschinenpistole steht hinter mir und gibt mir unmissverständlich zu verstehen, dass er mich als unerlaubten Eindringling in sein Revier betrachtet. Und sein Fingerzeig in Richtung CSSR ist ebenfalls sehr eindeutig.
So ein Mist – vor mir die Schneekoppe, greifbar nahe und hinter mir dieser polnische Soldat.
Ja – Solidarnoscz, Kriegsrecht, auch wenn das in der DDR anders bezeichnet wurde… Das ganze Drama – Polen war nur noch im Schulatlas als sozialistisches Land rot eingefärbt, aktuell jedoch unerreichbar für uns.
Das war 1983.
Und heute kann man sich das nicht mehr vorstellen, man läuft auf einem breiten Freundschaftsweg von der Spindlerovka mal auf der polnischen, mal auf der tschechischen Seite zum neu errichteten Schlesierhaus, genießt dort eine schöne Ruhepause und kann sich dann gemächlich an den Aufstieg zur Schneekoppe machen…

 

Riesengebirge – česnečka

Lendenbraten mit Knödeln, Preiselbeeren und cremiger Soße, Palatschinken mit Schlagsahne, Schnitzel mit amerikanischen Kartoffeln…
Aber dann gibt es da noch die česnečka, so heißt diese Suppe hier.
Brühe, Eierflocken, Fleischklößchen, Croutons, etwas Schnittlauch…
Eigentlich unverdächtig – bis der Duft in die Nase dringt…
Dessen Urheber haben sich am Boden der Tasse versammelt, klein geschnitten oder als ganze Früchte.
Lecker.
Welch ein Glück, dass man sich danach selbst nicht riechen kann 🙂

 

Riesengebirge – auf die Schneekoppe

Man sollte, sofern man gut zu Fuß ist, bitte nicht mit dem Lift auf die Schneekoppe fahren.
Der schönste Weg zur Schneekoppe führt durch den Riesengrund.
Lässt man das Auto in Pec stehen und wandert in den Riesengrund hinein, dann befindet man sich unmittelbar von den Größten in diesem Gebirge umgeben. Westlich ragen die schroffen felsdurchsetzten Hänge des über 1500 m hohen Brunnberges (Studnicni Hora) auf und nordöstlich erhebt sich über den Bäumen das 1600 m hohe Massiv der Schneekoppe. Das sieht hier gar nicht nur nach Mittelgebirge aus, man fühlt sich eher in die Alpen versetzt. Der Pfad ist auch stellenweise sehr steil, aber so gelangt man in recht kurzer Zeit hinauf zum Sattel, wo auf 1300 Metern Höhe das Schlesierhaus (Slezská bouda) steht.
Hier ist man nicht mehr ganz allein, denn aus allen möglichen Richtungen kommend, vereinen sich die Scharen der Gipfelaspiranten für den weiteren Aufstieg über den steinigen Felsweg zum höchsten Punkt. Die leichtere (längere) Variante hinauf bietet die Pflasterstraße, von der aus man, wie im Flugzeug sitzend, die Aussicht über halb Polen genießen kann.
Oben – erwartungsgemäß – trifft sich dann die Welt.
Dafür entschädigt der bei klarem Wetter ungemein weite Rundblick über die niedrigeren Bergketten und die polnischen Tiefebenen. Wobei auch eine Inversionswetterlage mit weißen Schaumbädern in den Tälern sehr reizvolle Momente bietet.
Der Rückweg führt schließlich über den leichten Südhang zum Rosenberg und von dort durch den Wald etwas steiler wieder nach Pec hinab.

 

Kaltfront

Eine Kaltfront sollte diesen ungemein heißen und schwülen Tag jäh mit Unwettern in Form von Gewittern, Starkregen, Hagelschlag, Orkanböen und sogar möglichen Tornados beenden.

Und, ehrlich gesagt, diese apokalyptischen Prognosen ließen auch uns einigermaßen unruhig auf den plötzlich verfinsterten Himmel schauen. Zu frisch waren die Fernsehbilder des von Unwetterschäden arg gebeutelten Süd- und Westdeutschlands.

Die angesagte Kaltfront kam, überquerte uns und…

Es geschah – nichts.

Der Chefmeteorologe etwas später wirkte ebenso irritiert. Die Tagestemperaturen in unserer Gegend hatten nicht die kritisch hohen Werte erreicht, um das Ganze entsprechend zu forcieren. Etwas weniger Glück hatten die Menschen östlich von uns, denn im Südosten schossen da plötzlich gewaltige Quellwolken in die Höhe, wo eine Stunde zuvor nichts war. Doch auch dort erreichten die Gewitter nicht die befürchtete Heftigkeit.

 

 

 

 

Riesengebirge – nach langen Jahren

2007 – die erneute Annäherung an das Riesengebirge, dieses Mal auf dem Rad.

Seit drei Tagen sind wir auf unseren schwer bepackten Fahrrädern unterwegs. Es ist ein weiter Weg, den wir von Meißen entlang der Elbe und quer über die Sächsisch- /Böhmische Schweiz und das Lausitzer Gebirge zurückgelegt haben.

Nun stehen wir hier oben auf der Anhöhe. Im Süden, in unserem Rücken kann man die wilden und gewaltigen Felstürme der Burgruine Trosky erkennen, im Norden aber vor unseren Augen erheben sich die sanft gerundeten Berge des Riesengebirges, dort die Kesselkoppe, Kotel, da der Schwarze Berg, Cerna Hora…

Ein eigenartiger Augenblick ist das, nach langen Jahren hier wieder zu sein.
Aber jetzt sind wir hier, wir sind angekommen.

Dieses Gefühl des Ankommens habe ich vor Jahren schon einmal auch hier zu beschreiben versucht.