Winterwanderung (1)

Die Wanderung beginnt wieder einmal im kleinen schönen Wehlen an der Elbe. Schon nach wenigen Minuten gelangt man in den Wehlener Grund und ist (offensichtlich noch vor dem großen Samstagsbesucheransturm) plötzlich völlig allein auf weiter Flur – oder in diesem Felsental.
Einige Kilometer weiter zweigt der Uttewalder Grund in nördliche Richtung ab. Lang ist es her, dass der Radelnde Uhu (zu Fuß) hier gewandert ist. Ein wenig Schnee, die immer enger zusammenrückenden Felswände, der kleine Bach, der nach den ergiebigen Niederschlägen der letzten Wochen Wasser führt und das eben aus einem lieben Weihnachtsgeschenk (Caspar David Friedrich: Spurensuche im Dresdner Umland und in der Sächsischen Schweiz von Frank Richter) erworbene Wissen, dass die Maler der Romantik hier ein ergiebiges Betätigungsfeld fanden, erhöhen zunehmend den Reiz dieser Tour. Da zum Beispiel, dieser schräg liegende riesige Felsblock – hat den nicht C.D. Friedrich als Element zur Komposition seiner Gemälde verwendet?
Das Uttewalder Tor, die Hauptattraktion des Tales, welches man ein Stück nach der idyllisch gelegenen Baude „Waldidyll“ erreicht, hat es schwer gegen die Konkurrenz der immer wilder werdenden Schlucht. Als ob ein Riese hier sein Bauwerk aus Bauklötzen eingerissen und einfach so liegen gelassen hätte, stapeln sich hier unter den Wänden eindrucksvoll bemooste und weiß gepuderte Felsblöcke kreuz und quer.
Am Ende des Grundes geht es dann etwas steiler aufwärts durch das Kehlloch auf die Höhe. Fast schlagartig wechselt der Charakter der Landschaft.
Der Wald bleibt zurück, unweit entfernt liegt das Dorf Rathewalde und nördlich davon erhebt sich der Hohburkersdorfer Rundblick, das Ziel der heutigen Tour.
Die Sonne strahlt nach langen grauen Wochen, als ob sie Einiges aufzuholen hätte. Aber – leider ist es jetzt, am späten Vormittag doch recht dunstig geworden. Durch Rathmannsdorf zum Hohburkersdorfer Rundblick, den man wegen seines Kriegerdenkmals gut sehen kann und der (ja, natürlich war auch Napoleon schon hier) Napoleon-Linde sind noch einmal ca. 90 Höhenmeter zu bewältigen.
Aber mit jedem Höhenmeter wird der Aaaah- und Ooooh-Effekt größer. Nach allen Richtungen weitet sich der Blick, schließlich ist man hier, am Rande der Sächsischen Schweiz auf fast 400 Metern höher als mancher Felsgipfel. Und der Blick schweift nun weit von den Höhen des Osterzgebirges um den Kahleberg, Pirna, hinüber zu den Tafelbergen Königstein, Lilienstein, Gohrisch usw., denen man von hier aus sozusagen aufs Haupt spucken kann, zum Böhmischen Schneeberg, dem Winterberg, auch der böhmische Rosenberg ist zu erspähen und weiter nach Osten zum Tanzplan und Unger. Die Bildideen stehen auch fest, für Details ist es einfach zu dunstig, aber die Silhouetten in der bläulichen Luft geben ungemein interessante Fotomotive ab.
Im Norden grüßt Stolpen mit seiner Burg herüber und die riesigen Dampfwolken der Kraftwerke in der Lausitz.
Kalt ist es, aber das merkt man kaum, zu sehr ist der radelnde Uhu damit beschäftigt, sich mit seiner langen Brennweite und den zahllosen Motiven auszutoben.

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9 Kommentare zu „Winterwanderung (1)“

  1. Hallo Lutz , mit deinem heutigen Beitrag gibst du mir wieder Informationen, die genau in meine Reiseplanung passen. Wehlen liegt genau in dem Bereich, den wir auch besuchen wollen. Dein Post ist eine große Hilfe
    für meine Planungen, die jetzt auf Hochtouren laufen. Vielen Dank dafür. Gruß Werner.

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  2. So anstrengend war es gar nicht. 😊 Ehrlich. 😉 Und trotzdem extrem abwechslungsreich + zu dieser Jahreszeit angenehm still und abseits des Tourirummels. An Pirna gefällt mir übrigens die wunderbar sanierte historische Altstadt. Das ist wieder ein richtiges Kleinod geworden.

    LG Lutz

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