Mondfinsternis 27.07.2018

Es war ja kaum zu übersehen, die Medien überschlugen sich regelrecht in Vorankündigungen und Erklärungen zur längsten Mondfinsternis in diesem Jahrhundert.
Aber gut so – sonst hätten wir es wohl gar verpasst.

Schon Tage vorher wurde nun in einschlägigen Blogs und Foren „gegrast“, dann ein geeigneter Beobachtungspunkt, der zudem per Rad problemlos erreichbar sein würde, ausgemacht und voller Vorfreude am Vorabend noch einmal ein wenig das Fast-Vollmond-Fotografieren geübt.

Packliste: 2 Kameras für Nah – und Landschaftsaufnahmen, 2 Stative, 2 Klappstühle, 1 Flasche Wein.

Tja und dann kam doch tatsächlich am großen Abend das angekündigte Gewitter.
Ausgerechnet heute.
In den letzten Monaten hatten uns die zuverlässig angekündigten Gewitter und Regenfälle ebenso zuverlässig umgangen. Und heute???
Nach einer Menge Theaterdonner breitete sich doch wahrhaftig ein leichtes Regengebiet über uns aus, welches hartnäckig am Ort verblieb und sich nur gaaaanz langsam auflöste. Der ist ja auch dringend nötig – aber doch nicht HEUTE!!!!
Lt. Regenradar hatten sich die kompakten Wolken ringsum schon fast wieder aufgelöst – nur HIER NICHT!!!

Gegen 21 Uhr ist es jedoch so weit trocken, dass wir aufbrechen können.
Aufgebaut ist in der Dämmerung schnell, die Wolken verziehen sich allmählich, nur die Wolkenbank im Südosten werden wir nicht los.
„Das wird wohl nichts heute“ meint eine Frau, die mit ihren Hunden noch einen Abendspaziergang macht. Sieht ganz so aus, als ob sie Recht hat. Oder doch nicht?

Denn dort, über den Bäumen ist ganz zart und blass die Sichel des Mondes zu erkennen. Besser als nichts. Nur mkit dem Fokussieren gibt es bei diesen Lichtverhältnissen so seine Probleme, zumal offensichtlich auch aller paar Minuten nachjustiert werden muss.
Die Aufregung ist groß und es bleibt keine Zeit, Gebrauch von 1 Klappstuhl und 1 Flasche Wein der Packliste zu machen.
Erst mit zunehmender Dunkelheit wird der ebenfalls sehr dunkle Mond (das hätten wir gar nicht so vermutet) besser sichtbar.

Aber als dann der Mars aufgeht und Alexander Gerst in der ISS über uns hinweg schwebt, wird das Ganze doch noch zum Fest. Nun kommt auch 1 Flasche Wein zum Einsatz.
Die Fähigkeit zum Fotografieren leidet (zumindest im Augenblick) noch nicht darunter.
Gegen 23 Uhr wandert der Mond allmählich aus dem tiefsten Schatten, wird immer besser sichtbar, auch die rötliche Färbung bleibt noch erhalten und als der Moment kommt, in dem der erste Lichtfunke die absolute Finsternis beendet, könnte man glatt darauf anstoßen, so schön ist das. Ist nur ein wenig schwierig mit 1 Flasche Wein.
Während des Rückwegs kann man zusehen, wie die Lichtsichel immer breiter wird.
Schade, dass wir nun 105 Jahre auf ein ähnlich langes Ereignis warten müssen. Wobei der glitzernd rote Mars-Edelstein dann wohl kaum in derselben optimalen Konstellation das Bild vervollständigen wird. Und die ISS wird es dann vielleicht auch nicht mehr geben…

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21 Kommentare zu „Mondfinsternis 27.07.2018“

  1. Danke!! Das war noch einmal eine wunderbare Auffrischung des Erlebten. Mir ging es ähnlich, abends dicke Wolken, natürlich nur im SO! Pläne verworfen und in der City geblieben. Und dann doch ein happy End als sich der Blutmond zwischen zwei Gebäuden zeigte. Auch ohne Kamera ein surrealistischer Genuß! LG Simone

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