Darß – Sterne am Weststrand

 

 

Spätestens seit dem Film „Contact“ war es schon immer ein Traum, einmal am Darßer Weststrand den Sternenhimmel zu betrachten (und wenn es geht, diesen sogar zu fotografieren).

Als nach einem äußerst ausgefüllten Tag mit abendlichem Kranicherlebnis die letzten Wolken vom Himmel verschwinden und die ersten Sterne aufglimmen, gibt es kein Halten mehr.
Wann, wenn nicht jetzt?
Drin im Warmen sitzen, Essen gehen oder fernsehen kann man später auch noch…
Die Temperatur ist seit vorhin spürbar gefallen, das erfordert ausreichend warme Kleidung, die Beleuchtung am Rad ist perfekt – ohne fahrbaren Untersatz schafft man die 5 km bis zum Weststrand nicht ohne Weiteres und mit dem Auto ist es zum Glück verboten – die Stirnlampe zur Ergänzung darf ich auch nicht vergessen…
Der Wechsel von der beleuchteten Straße zum Wald hin ist extrem.
Mit einem Schlag ist es völlig finster, man sieht die Hand vor Augen nicht mehr.
Also wird die Stirnlampe zur Ergänzung noch angeknipst.
Von früher her ist das ja nun kein unbekanntes Gefühl, auf etlichen Nacht-Rad-Fahrten hat man das Ganze schon erlebt und erprobt, hat manches Mal irgendwo auch im Biwaksack in der Pampa genächtigt. Doch da befand man sich mit dem Rennrad auf Straßen und war ab und zu in Begleitung unterwegs. Und ich bilde mir ein, noch nie durch eine solch undurchdringliche Finsternis gerollt zu sein.
Bis auf das Rascheln unter den Reifen ist es absolut still, auch die Bäume tauchen nur geisterhaft bleich im Kegel der Lampen kurz auf und verschwinden hinter mir wieder im Unsichtbaren.
Kein besonders gutes Gefühl ist das, auch wenn ich mir immer wieder einrede, dass der größte Feind des Menschen der Mensch selbst ist, hoffe ich doch sehr, dass mir kein aufgestörtes Wildschwein und kein Hirsch in die Quere kommt.
Und Pennywise, von dem mir unsere Jüngste erzählte, wird sich heute ja wohl kaum in den Darßwald verirrt haben. Nur – sicher bin ich mir da nicht – was nunmehr wieder dazu beiträgt, dass sich einige Härchen aufstellen und ich noch etwas schneller dahin rolle…
Die Stämme der Buchen wirken immer grotesker und gespenstischer – doch das verrät schließlich die Nähe des Weststrandes.
Endlich – noch das Rad anschließen, dann schnell zum Strand hinunter.
Ein Blick nach oben…
Wolken sind aufgezogen – aber noch geht das.
Auch hier ist es, bis auf den Lichtstrahl des Leuchtturms am Darßer Ort, die blinkenden Lichter an den Bojen und Schiffen, die nordwärts fahren und Rostocks Lichtschimmer am südlichen Horizont stockfinster.
Stativ und Kamera sind rasch aufgebaut.
Der Standort wurde schon tagsüber ausgemacht, es kann los gehen, mal sehen, was Kamera und Objektiv so drauf haben.
Als bei Blende 2.4 und 6400 ISO (die immer noch ziemlich rauschfrei sind) selbst auf dem Display die Milchstraße deutlich zu erkennen ist, ist der Radelnde Uhu einfach nur noch begeistert.
Erstaunlich, wie zügig sich auch die Augen an das Dunkel gewöhnen, ohne Stirnlampe lässt es sich an der Technik hantieren.

Und immer wieder muss man sich aufrichten und einfach nur schauen und staunen. Der nächste Mensch ist 5 Kilometer entfernt. Hier ist man wirklich ganz allein in dieser endlosen Weite unter diesem Sternenhimmel.

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56 Gedanken zu “Darß – Sterne am Weststrand

  1. die bilder sind echt ganz unfassbar schön! wow! und sogar die gesamte milchstraße, das finde ich immer besonders beeindruckend… ist das ein einzelnes bild oder hast du die aus mehreren zusammengesetzt?

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    • Vielen Dank fürs Lob 🙂
      Die Bilder habe ich nicht gestackt, das sind alles Einzelaufnahmen. Ich habe ein recht lichtstarkes Weitwinkel und die 6D liefert selbst bei ISO 6400 in solchen Situationen noch recht gute Bilder.
      LG Lutz

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  2. Lutz! Was für traumhaft schöne Sternenfotos! Und das Schöne ist, ich weiß genau an welchem Standort Du die Aufnahmen gemacht hast 🙂
    Ich wäre so gerne dabei gewesen, denn ich bin häufig im Dunkeln in der Natur unterwegs. Auch mal zum Nordstrand. Das sind einfach unvergessliche Erlebnisse! Ach mein Lieblingsdarss! LG Simone

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  3. Ein toller Bericht und tolle Fotos. Wir wohnen ja seit fünf Jahren mitten in der Pampa und können diese tollen Sternenhimmel hier erleben ohne jeglichen Aufwand. Besonders mein Mann, der sein ganzes bisheriges Leben in der Großstadt verbracht hat, konnte sich anfangs nicht satt sehen.

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    • Das sind die Vorteile der Pampa. Man gewinnt mal wieder den Blick für das größere Ganze, unbeengt von Häusermauern. Kann mir auch nicht mehr vorstellen, in der Stadt zu leben.
      Danke fürs Kompliment und schönes Wochenende 😊

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  4. Ein im wörtlichen Sinne zauberhaftes Foto-Set und ist großes Kino für die Augen. Und wenn man sich die einzelnen Fotos anschaut macht es Wow. Auch in der Nacht ist die Natur magisch und schafft natürliche Wunder. Ein magischer Foto-Wurf der begeistert.
    Liebe Grüße,
    Stefan

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    • Danke Dir Manni – hier habe ich festgestellt, dass es Dunkelheit und Dunkelheit gibt und wie extrem sich die Lichtverschmutzung einer nahen Stadt auswirkt. Bei uns sind solche Fotos einfach nicht möglich, da viel zu hell…

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