Von Bäumen und Sternen

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Weitere Bilder findet Ihr hier auf „Bäume und Sterne“

„Wenn wir die Einzigen im Universum sein sollten, wäre das eine ziemliche Platzverschwendung.“
Zitat aus dem Film „Contact“ nach dem Buch von Carl Sagan.

Schon zu Beginn der Dämmerung mache ich mich auf den Weg. Klares (kaltes) Wetter ist heute noch einmal angesagt und ich hoffe, ich erlebe nicht so eine Pleite wie am gestrigen Abend, als scheinbar aus dem Nichts Wolken auftauchten und kurzfristig den Fotoausflug beendeten. Wobei man sich auch über einen dramatischen Wolkenhimmel bei Nacht nicht aufregen darf, denn das kann ebenfalls sehr reizvoll und spannend sein.

Aber Beth Moons und Tiina Törmanens Bilder haben mich in ihrer Art, Stimmung und Aussage so intensiv berührt und angesprochen, dass mich das anregt, es selbst in dieser Richtung ein wenig weiter zu versuchen – und zu lernen, einem/r Betrachter(in) ohne Worte nur mit Bildern das Gefühl zu vermitteln, wie klein und kurz unser menschliches Dasein angesichts dieser Größe und Unendlichkeit der Natur ist, wie winzig und unbedeutend wir Menschen sind und welche Anmaßung es ist, die diese beherrschen zu wollen.

Die verbleibende Zeit bis zur Dunkelheit wird genutzt, um ein paar sehenswerte alte und kahle Bäume zum Fotografieren zu finden. Zum Glück ist es so kalt, dass der Schlamm hier gefroren ist und man trockenen Fußes zu den besten Plätzen kommt.
Noch ein wenig Freude an den spektakulären Farben des Sonnenuntergangs und der blauen Stunde, Leipzigs Hochhäuser am Horizont werden schon von den Scheinwerfern angestrahlt, dann drehe ich mich um und bin in einer anderen Welt. Das Rauschen der nur wenige Kilometer entfernten Autobahn ist ausgeblendet, die Stille der abendlichen Flussaue wird plötzlich greifbar, zunächst zögerlich, dann fast unvermittelt leuchten die Sterne auf.
Aus den Erfahrungen der letzten Tour ist die Kleidung heute den Temperaturen entsprechend angepasst, so dass sich das Frieren wohltuend in Grenzen hält und das Knipsen und Genießen an erster Stelle stehen.

Da ich keine Ahnung habe, ob sich hier in der Nähe auch Wildschweine aufhalten, versuche ich zumindest, diese ab und zu mit einer gepfiffenen Melodie (klang das wirklich nach dem, was es sein sollte?) und lautem Stapfen (durch das ich mich als ein viel größeres schreckliches Tier inszenieren will) von einer ungewollten Annäherung abzuhalten. Scheint zu klappen… Könnte aber auch sein, hier gibt es gar keine Wildschweine.

Beim Fotografieren und Betrachten der glitzernden Unendlichkeit da oben stellt sich unweigerlich noch eine weitere Frage.
Nicht, dass ich mich in irgendeiner Weise beobachtet fühle…
Aber – sind wir wirklich allein?
Gut, ich gebe es zu, das klingt sehr pathetisch. Habe wohl vermutlich einmal zu oft „Contact“ angeguckt – doch der Film ist einfach Klasse und in ruhigen Momenten über diese Themen zu spekulieren und zu philosophieren macht großen Spaß.

Die Nachtfotografie macht ebenfalls großen Spaß – es fällt schließlich ein wenig schwer, sich von diesem Anblick zu lösen und wieder zurück in die Welt zu kehren.
Das war wieder mal ein Ausflug, kaum vorstellbar, dass man nur wenige hundert Meter von unserem Dorf entfernt solche Momente erleben kann.
Und selbst, wenn die Fotos nichts geworden sind, nicht schlimm – die erlebte Zeit hier bleibt auf jeden Fall in der Erinnerung haften.

 

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9 Gedanken zu “Von Bäumen und Sternen

  1. Das Foto ist auf jeden Fall was geworden, da gibts nichts dran auszusetzen.
    Für noch mehr Sterne stellt man sich am besten auf die Spitze eines Berges, aber außerhalb vom Dorf scheint auch nicht schlecht zu sein 😉

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