Eine Fototour zum Hohen Schneeberg (1)

Die Fotografie, insbesondere die Langzeitbelichtung sowie Nachtfotografie stellen zwei Bereiche dar, in denen man sich schier unerschöpflich austoben kann und (fast) immer auf Erlebnisse mit einem großen Aha- oder Wow-Effekt hoffen darf. In Verbindung mit Wandern, Radfahren und Nächtigen unter freiem Himmel ist sogar eine ideale Kombination entsprechend der derzeit vorhandenen Möglichkeiten geschaffen.
Denn etliche „Fotopoints“ erreicht man auch bzw. nur mit Rad oder zu Fuß, was den Reiz an der Sache ungemein erhöht.
Kleine Abenteuer kommen also dabei auch nicht zu kurz.
Zudem tragen gerade die Langszeitbelichtung und Nachtfotografie enorm zur „Entschleunigung“ bei. Man schießt die Fotos nicht mal schnell aus der Hüfte, denn ehe man alles aufgebaut, ausgemessen und dann den Auslöser gedrückt hat, vergeht jedes Mal einige Zeit. Und bei einer Belichtungszeit von mehreren Minuten kann man selbst nur neben dem Fotoapparat stehen, gucken, staunen und sich über diese Momente des Innehaltens freuen. Es gibt keinen Leistungs-, keinen Zeitdruck, man muss nicht noch xxx Kilometer zurück legen, eine bestimmte Zeit toppen oder noch drei Gipfel besteigen…
Dieser Zustand lässt sich vielleicht am Ehesten mit dem Angeln vergleichen. (Falls das nicht so sein sollte, mögen mich die Angler bitte berichtigen…)
Klingt nicht übel oder?
Aber? Ja – stimmt – ist nix für hochaktive Menschen, die permanent in Bewegung bleiben müssen.
Jedoch – die Fülle von Eindrücken steht z.B. der beim Langstreckenradeln in nichts nach. Ist nur ein bisschen anders schön…

Soweit nun zur Vorrede.

Lange ist es her, dass ich mit Rucksack per Zug in die Sächsische Schweiz nach Bad Schandau gereist bin.
Der Plan zu dieser Fototour ist schon ein paar Wochen alt, nun ergab sich relativ spontan die Möglichkeit, diesen zu realisieren. Und, darüber freue ich mich sehr, Mike, der infolge eines Staus etwas verspätet eintrifft, ist mit von der Partie.
Ohne ihn und sein Auto wäre es auch gar nicht möglich, in der Kürze der Zeit bis hinter nach Böhmen und hinauf auf den Sneznik zu kommen.
Der Decinsky Sneznik mit seinen 723 Metern Höhe ist der höchste Gipfel der Sächsisch-Böhmischen Schweiz, der von einem weiten Tafelbergplateau gekrönt wird. Von früheren Touren her ist bekannt, dass es dort oben schöne, leicht zu erreichende Aussichtspunkte gibt und dem sehr lesenswerten und informativen Blog Free-Inspiration ist die Idee, es dort oben einmal mit der Nachtfotografie zu versuchen, zu verdanken.
Nach kurzem Einkauf bei Penny in Bad Schandau – Familien und Gourmets sind nicht dabei, also können wir uns auch einmal diese merkwürdigen Hirschfleischknacker (was auch immer den Inhalt dieser Würste bildet) leisten. Schaut ja niemand zu, der etwas dazu anmerken könnte.
An der Elbe entlang geht es nach Decin, von dort über Jilove hinauf ins Dörfchen Sneznik, welches zu Füßen der Felsen des Decinsky Sneznik einsam auf einer weiten Hochfläche gelegen ist.
Auf einem großen Parkplatz am Hotel „Hrebenova Bouda“ bleibt das Auto stehen, und wir steigen nun schnell das Sträßchen bergauf. Den Sonnenuntergang schaffen wir nicht mehr, doch es ist sowieso zu dunstig und einige Zeit später oben am Aussichtpunkt sieht man das Abendrot nur hinter den Bäumen.
Auch der Blick zur Milesovka ist durch den Dunst getrübt, das kennen wir schon besser. Aber trotzdem versuchen wir, diese Abendatmosphäre noch fotografisch einzufangen.
Unterhalb sind Stimmen zu vernehmen. Das scheinen Dresdner zu sein, die vermutlich ebenfalls in den Felsen nächtigen wollen. Geraschel, Knistern, dann herrscht dort Ruhe.
Es dämmert, unten im Elbtal leuchten die ersten Lampen von Decin und den umliegenden Dörfern.
Die blaue Stunde – immer wieder ist es faszinierend, welche Farben und Stimmungen dieses Licht hervorbringen kann.

Die Schlafsäcke haben wir übrigens schon ausgerollt, ehe es völlig finster ist.
Es wird immer dunkler, Decin und Jilove strahlen um die Wette, westlich sind die Lichter von Teplice zu sehen und erst auf den Fotos erkennt man auch den Schein von Usti tief im Tal.
Die Wolken zerfallen allmählich, so dass sich auch der Sternehimmel in aller Pracht entfalten kann. Die Milchstraße, Kassiopeia, die Andromeda, der Große Wagen… (Bilder folgen später)

So dauert das Knipsen, Schauen und Genießen bis gegen elf, ehe wir in den Schlafsäcken verschwinden.
Freibiwak auf dem Sneznik unterm Sternenhimmel – besser geht es nicht.
Und aus der Richtung vom Freund Mike dröhnt schon ein lautstarkes Schnarchen.

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17 Gedanken zu “Eine Fototour zum Hohen Schneeberg (1)

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